Anmerkungen zu meinen Arbeiten
Wulf Winckelmann, Juni 2004

In den letzten Jahren meiner malerischen Arbeit habe ich versucht, die für mich zentralen Fragen anhand von bestimmten Themenkomplexen oder Sujets zu erarbeiten. Viele meiner Bilder aus den Jahren 1998 bis 2002 haben ihren Ursprung in Venedig. Es ist dabei nicht nur das offensichtlich Pittoreske des Ortes, die malerische Farbigkeit der Architektur oder das durch die Präsenz des Wassers entstehende Licht, welches diesen Ort für mich zu einem immer wiederkehrenden Sujet macht.
Nahezu allen meinen Arbeiten aus der "Venedig-Gruppe" ist die kompositorische Teilung des Gemäldes durch die horizontale Linie zu Eigen. Sie versteht sich hier als Wasserlinie, die das im oberen Bereich des Bildes Dargestellte in den Unteren spiegelt. Die Wasserlinie als Spiegel tritt zwar bereits schon in einigen früheren Arbeiten in Erscheinung, wird allerdings erst bei den Venedigbildern zu einem bestimmenden und konsequent wiederkehrenden Bildelement.

Die in jüngerer Zeit entstandenen Landschaftsgemälde zeigen auf den ersten Blick eine
größere Nähe zum "Realistischen". Kompositorisch verwandt zu den von Venedig inspirierten Arbeiten ist die horizontale Linie, die allerdings weniger als Wasserlinie denn vielmehr als optische Trennlinie zwischen Himmel und Erde wahrgenommen wird. Aber auch hier gilt Ähnliches wie bei meinen venezianischen Bildern: Der Horizont mag zunächst nur eine visuell wahrnehmbare Linie, eine physikalisch durch die Erdkrümmung bedingte Begrenzung des Sichtbaren sein. Interessant ist jedoch für mich, was sich "hinter" dem Sichtbaren befindet. Die Heranführung an die optische Begrenzung durch den Horizont evoziert überhaupt erst die Frage, ob etwas und was jenseits des Sichtbaren wahrgenommen werden kann. Oder um die Worte eines Ausstellungsbesuchers zu zitieren: Der Horizont ist keine Grenze, sondern eine Einladung.