Tom Christopher, 1952 in Hollywood/Kalifornien geboren, studierte Kunst am Pasadena Art Museum und Malerei am Art Center College in Kalifornien.

Seine Arbeiten sind in zahlreichen wichtigen Sammlungen wie Goldman Sachs NY, Museum Washington D.C., Büro des Oberbürgermeisters von New York City, The Museum of the City of New York, Time Warner Inc.

NY, und NewsCorp Murals (Robert Murdoch Inc.) at Rockefeller Center NY vertreten. In Deutschland haben u.a. die Sammlung Burda in Baden-Baden, HSBC Trinkaus & Burkhardt Düsseldorf, ADAC Deutschland und Shearnan & Sterling Frankfurt seine Bilder in ihre Sammlungen aufgenommen.

In Tom Christophers Bildern spiegelt sich die Liebe des Malers zu seiner Stadt wider. Die Themen versetzen den Betrachter direkt an eine Straßenecke der Metropole. Seine Werke sind voller Dynamik; eine Explosion von Farbe und Licht.

Seine Figuren drohen von der Leinwand zu springen und den Betrachter mit sich zu reißen: Hupende Taxis, die aussehen wie Autoscooter im fließenden Verkehr; Passanten, die sich ihren Weg in die überfüllten Subway-Stationen erkämpfen; Fahrradkuriere, die sich anmutig wie Ballettänzer durch den dichten Verkehr bewegen.

In seinen Bildern erlebt man die Betriebsamkeit und das Leben in den Straßen der Metropole New York hautnah mit.

Tom Christophers Bilder beanspruchen für sich sowohl  Abstraktion als auch Gegenständlichkeit. Er überläßt dem Betrachter häufig einen Interpretationsspielraum; nicht jedes Detail ist sogleich erkennbar. So können Schatten bei genauerem Hinsehen zu huschenden Figuren mutieren. Die Geschwindigkeit und Spontaneität seines Malstils fängt nicht nur den Rhythmus, sondern auch die Hektik des Großstadtlebens am Beginn des neuen Jahrtausends ein.

Tom Christopher verfremdet die dargestellten Themen und übersteigert sie. In Kombination mit der Verwendung einer brillanten Farbpalette verleiht dies seinen Werken die dynamische Wirkung, die so sehr fasziniert.


Christopher at the Crossroads

Tom Christopher findet seine Muse auf den Straßen von Manhattan. Seine Kunst steht an jenem Kreuzungspunkt, wo die altehrwürdige Illusion der Malerei, ein Fenster zur Welt zu sein, mit der Realität zusammentrifft, dass jede Leinwand ein Objekt mit eigener Gesetzmäßigkeit ist.

Für Christopher ist dies ein Schnittpunkt, an dem Chaos und Ordnung zusammenprallen. Dieser Gegensatz ist so alt wie Dionysos und Apollo: In Cross- Town With ConEd Tower begegnet der Gott der Zügellosigkeit dem Gott der Ausgewogenheit an der Kreuzung 7th Avenue und 37th Street.

Der erste Eindruck ist der expressionistischer Intensität, hervorgerufen durch Verschütten, Verwischen und Verspritzen von Farbe sowie einem pastosen Farbauftrag aus farbsatten Flüssigpigmenten und Rhoplex@ Emulsionen, in unterschiedlichen Abstufungen zusammengemischt und zum Teil noch über den verzierten Rahmen hinausfließend. Seurats gemalte Abgrenzungen dienten dazu, das Bild von der äußeren Welt pufferartig zu trennen, bei Christopher dagegen passiert das genaue Gegenteil.

Der Eindruck entsteht, als wäre jede Grenze niedergerissen, als wäre das Füllhorn so prall geworden, dass es sich berstend an der Wand entlädt.
Nach und nach, beständig und nachhaltig, kehrt die dem Werk innewohnende Logik sinnhaft an die Oberfläche zurück.

Die Darstellung von stauendem Verkehr, von dicht gedrängten Gebäuden und zusammengepferchten Menschen verwandelt sich in eine Reihe von Formen, die wie Puzzleteile angelegt sind.

Dabei werden sich in Cross-Town With ConEd Tower die verschiedenen Motivelemente zunehmend ähnlicher: Die Front eines steil aufragenden Autobusses spiegelt einen gestreiften Schornstein, der Dampf in die kalte Luft ablässt.

Entfernte Fußgänger zeigen die gleiche gekrümmte Gestalt wie die Schatten auf den glattpolierten, dunklen Limousinen, die gleiche Form wie die Getriebeöllache auf der Straße im Vordergrund, ebenso wie die verdrehte, einzelne Figur zu unserer Linken, die durch den Strom der Fahrzeuge hindurch hetzt.

Ihr Mantel und Schal werden vom Winterwind hochgeschlagen, die goldgelbe Sohle ihrer Schuhe ist uns zugewandt. Diese Pose an diesem Ort erinnert an die drei kleinen Worte, die Dustin Hoffman als Ratso Rizzo in Asphalt Cowboy schreit: "Hier gehe ich!"

Da viele der Werke Christophers die Wirkung von New Yorks quirligen Straßen verströmen, sind die Gesten, die das Wesen städtischen Lebens festhalten, wichtiger als deren Wahrzeichen. Wenn man den kraftvollen Wiegetritt eines Fahrradboten wahrnimmt, wie er wenige Zentimeter vor einem herannahenden Taxi in die Pedale steigt, kann man sich gut seinen Gesichtsausdruck vorstellen.

Der dynamisch über die Straße eilende Geschäftsmann mit seinem zielstrebigen Gang und die absichtsvolle Lässigkeit der Straßenkehrer in ihren zinnoberroten Overalls sind im Eigentlichen Portraits, auch wenn sie keine charakteristischen Gesichtszüge aufweisen.

Der Vorspann hierzu liegt in der Vergangenheit: Christopher wuchs in der Nähe von Los Angeles auf, Stadt des goldenen Lichts und der automobilen Spezialanfertigungen, und studierte am Art Center College of Design in Pasadena. Nach seinem Abschluss lebte er von Illustrationen, die er für das Motor Trend Magazine entwarf.

Heute malt er Yellow Cabs und kirschrote Rücklichter mit der gleichen liebevollen Begeisterung und Zuckerbäcker- Palette, mit der Wayne Thiebaud sich seinen Torten widmete. Eine Zeitlang vergeudete Christopher sein Können in Gerichtssälen und zeichnete für People und für CES News Mörder und Berühmtheiten.

Dort lernte er, wie Paul Valery einmal über Daumier sagte, wie man "Individuen auf jene Marionetten reduziert, die sie in ihrem Inneren sind". In der Manier von David Park, einem kalifornischen Künstler, den er bewundert, gebraucht Christopher oftmals eine Pinselführung, die den illusionären Eindruck einer Volumenvergrößerung entstehen lässt, als würde der Pinselstrich über das zu malende Objekt selbst geführt statt über die Leinwandoberfläche.

Üppige "nass-in-nass" Effekte sind notwendigerweise schnell auszuführen, denn Acrylfarben trocknen in einer einzigen der sprichwörtlichen New Yorker Minuten. Christophers Werke beginnen alle mit dünnen Graphitstrichen, die die Straßen der City hinunterrasen, sie spinnen Personen, Autos und Busse ein oder gehen durch sie hindurch. Sein Kunstgriff liegt im Überblick und darin, zusätlich darüber hinaus etwas zu erahnen.

Auf großen Leinwänden wie Crossroads beschwören die sichtbaren Spuren dieses feinen Netzes die in The City eingewobene "Sozialfabrik" und das Beziehungsgeflecht, in dem die Personen in Christophers urbanen Dramen miteinander verstrickt sind. Sind dies die dünnen Schicksalsfäden, die Arachne einst zusammenspann? Könnte sein.

Autor: Gerard Haggerty

Gerard Haggerty lehrt am Brooklyn College, City College of New York und schreibt für ARTnews.
Seine Arbeit wird vom dem National Endowment for the Arts, dem National Endowment for the Humanities und der Ford Foundation gefördert.


Streets of New York City

Die Geschichte eines Bildes beginnt meistens mit dem Thema einer einzelnen Figur, die ihren Weg durch die Straßen einer Großstadt sucht. Der unglückliche Held in einer angstverseuchten, albtraumartigen Welt betrügerischer Männer und intriganter Frauen. Das universelle Thema vom Menschen in einer modernen urbanen Umgebung.

Ein Reisender, der sich seinen Weg durch ein Labyrinth aus Glas und stählernen Monolithen bahnt, das Bühnenbild für diesen Karneval bei Vollmond.
Was ist nun das Besondere an Städten von heute, das diese für junge Leute so anziehend macht? So pulsierendund lebendig? Goldglänzende Skylines, Schilder flüstern "komm näher", Türöffnungen winken und lockenverheißungsvoll. Hier können die Träume der Einwanderer Wirklichkeit werden.

Ob du nun dem Schreckenvon Sierra Leone entfliehen willst oder dem erdrückenden Alltagstrott in Papas Gemischtwarenladen in Ohio, du bist entkommen und The City hat dich aufgesogen.


Man kann alles ausprobieren, und umgeben von seinen ebenfalls nach Erfolg strebenden Mitmenschen, ist mannie wirklich allein. Hoffnung und Optimismus sind solange im Überfluss vorhanden, bis die kalte Wirklichkeitin Form einer geteilten Wohnung und der roten S-Bahn Nummer 7 nach Queens endlich zuschlägt. New York City in all seiner Schönheit und mit all seinen Bewohnern steht symbolisch für jede andere Stadt der modernen Welt.

Mit aggressiven Komplementärfarben über skeletthaften schwarzen Linien versuchte die Gruppe der Fauvediese Stimmung zu erzeugen. Ich denke da an Matisses gelungenes Beispiel eines gemütlichen Sessels für denerschöpften Geschäftsmann - mit einem Pit Bull Terrier, der sich hinter dem Kissen versteckt.

Ich zeige die Schönheit der Straßen und stelle ihr die dunkle Seite des amerikanischen Lebens gegenüber.Ein elementares Ziel der Kunst ist es zumeist, die Gegensätze des Lebens darzustellen: Brutales wie Lyrisches, Niederschmetterndes wie Ängstliches, gehetzte Betriebsamkeit sowie Atempausen oder kleine Inseln der Ruhe.

Der Zusammenprall von Orange und Blau und die tiefschwarzen Linien markieren bedrohlich aufragende, klaustrophobisch wirkende Gebäude. Mit jeder Nachricht über aktuelle gelbe, orange oder rote Terroralarmstufen reflektieren sie stärker die Unsicherheit der Passanten.

Ängste entstehen in Zeiten tiefer Beunruhigung. Nach dem 11. September ging die New Economy pleite,die Ersparnisse sind dahin - geh und zünd 'ne Mülltonne an, wenn es dir damit besser geht. Gegensatz undSpannung toben sich aus, wenn schwabbelbeinige Fußgänger vor riesigen, sich die Straßen hinunterwälzenden Mülllastern herrennen.

Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen als Gerichtszeichner für Nachrichtenagenturen habe ich gelernt, wie wichtig es ist, die Dinge schnell und so inhaltsstark wie möglich zu Papier zu bringen und Linienführung sowie ausdrucksstarke Farbgebung sparsam zu gebrauchen, um eine Geschichte zu erzählen.

Meine Vorbilder sind die Künstler des "Blauen Reiter" und der "Brücke" mit ihrer meisterhaften Verwendung von Farbe und ihrer spontanen, direkten Herangehensweise an die Malerei.

Tom Christopher, New York, August 2003

Presse:

Tom Christopher - Am Puls der Stadt

Vernissage Hessen

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